Christoph Marzi
5 Tage im April
Als Jack sich ­ mit einem rätselhaften Brief in der Tasche ­; auf den Weg nach Seals Head Harbor macht, ahnt er noch nicht, welches dunkle Geheimnis ihn dort erwartet. Schnell begreift Jack, dass er in dem kleinen Küstenort kein Fremder ist. Auf mysteriöse Weise scheint seine eigene Vergangenheit mit der Legende des Ortes verbunden zu sein. Nach einer Reihe merkwürdiger Ereignisse will Jack bereits die Flucht ergreifen. Da taucht plötzlich Sadie auf, das Mädchen mit den meerblauen Augen. Sie ist die Einzige, die ihm bei der Suche nach Antworten helfen kann. Mit Sadie verbringt Jack fünf Tage, die sein Leben für immer verändern.

Christoph Marzi
5 Tage im April
ISBN 978-3-401-06855-8 | 14,99 € [D]
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Fragen an Christoph Marzi

Worum geht es in „5 Tage im April”?

Der April ist ein trügerischer Monat. Jack Fallon, der die Highschool in Boston besucht, erfährt an einem sonnigen Tag, dass seine Mutter einen Unfall hatte und im Koma liegt. Zuhause findet er einen Brief, den seine Mutter an jemanden namens John Gilbert geschrieben hat. Da Jack keine Ahnung hat, was für ein Mensch sein Vater war (er kennt nur dessen Namen: Carter Fallon) beschließt er kurzerhand, nach Seals Head Harbor in Maine zu fahren und den Brief persönlich zu überbringen (in der Hoffnung, von John Gilbert vielleicht mehr über die Vergangenheit seiner Mutter zu erfahren). Als er dort ankommt, muss er feststellen, dass nicht nur die Vergangenheit seiner Eltern ihn einholt, sondern auch ein Mädchen auf ihn wartet, das alles noch viel, viel komplizierter macht.

„5 Tage im April” ist nicht ihr erster Ausflug nach Maine. Was fasziniert Sie an dieser Gegend?

Als ich vierzehn war, begann ich die Romane von Stephen King zu lesen. Maine erschien mir immer ein wenig wie ein Abbild meiner Heimat, zumindest was die Wälder und die Dörfer der Eifel anging. Alles schien irgendwie vertraut zu sein. Hinzu kam meine Vorliebe für Küstenorte. Ich mag das Meer (die Urlaube meiner Kindheit verbrachten wir meist an der Nordsee, in einem kleinen Ort namens Büsum), die Luft, die Felsen, die Leuchttürme, die Kutter, Krabben, Seehunde, die Souvenirläden, das alles eben. Es herrscht eine eigentümliche Atmosphäre in Küstenorten; zumindest für jemanden, der nicht von dort ist. Ich war also immer schon der Sommertourist, der auch Jack Fallon in seiner Kindheit war. Mein erster literarischer Ausflug nach Maine fand vor ein paar Jahren statt, als ich die Novelle „Tagundnachtgleiche” schrieb (die etwas weiter die Küste rauf spielt, „da oben” auf Mount Desert Island). Damals beschloss ich, für einen längeren Roman dorthin zurückzukehren.

Sie haben den Roman ihrer Tochter gewidmet, mit einer ungewöhnlichen Begründung.

Ja, und vor allem mit einiger Verspätung. Vor einigen Jahren habe ich ein Exposé zu einem Jugendroman geschrieben und es meiner Tochter gezeigt. Sie war begeistert gewesen und hat mich gebeten, den Roman für sie zu schreiben. Was ich ihr versprochen habe (es war eine orientalische Geschichte und eine Oase kam darin vor). Dann vergingen aber die Jahre, in der Zwischenzeit schrieb ich „Malfuria” und als ich beschloss, mir die alte Geschichte noch einmal anzuschauen musste ich feststellen, dass ich das Konzept verloren hatte. Dumm gelaufen, mehr kann ich dazu leider nicht sagen. Keine Ahnung, wo es gelandet ist; bis heute ist es nicht wieder aufgetaucht. Dies hier ist sozusagen eine Wiedergutmachung. „5 Tage im April” müsste genau die Art von Geschichte sein, die Catharina mag. Hier ist sie. Ich bin gespannt, wie sie ihr gefällt (die Hoffnung, dass mir die andere Geschichte noch mal einfällt, hat sie aber noch nicht aufgegeben).

Wie sieht der Arbeitsprozess an einem Roman wie diesem aus?

Seelenwaechter Ich beginne erst zu schreiben, wenn ich die Personen kenne. Das ist die Phase, die am längsten dauert. Wenn ich die Personen kenne, dann kann es richtig losgehen. In erster Linie versuche ich dann (im nächsten Schritt sozusagen), mir die Atmosphäre der Geschichte vor Augen zu halten. So fängt es immer an. Ich habe mir Bildbände und Reiseführer angeschaut (okay, das tue ich fast immer). Romane, die in der Gegend spielen, kenne ich ausreichend; Geschichten von Autoren wie Beverly Jensen, Tabitha King, John Irving, Annie Proulx, Richard Russo, Stephen King und Robert Olmstead, um nur einige zu nennen. Dann, bei der ersten Recherche, stieß ich auf die Gemälde des Malers Homer Winslow und hatte meine Inspiration gefunden. Winslow malte die Küste und die Wälder in all ihren Spielarten, großartige Naturbilder ­ sozusagen das Maine-Gegenstück zu Norman Rockwell, wenn man so will. Dazu kam, wie immer, die Musik: Bob Dylan, dessen Lied „Girl from the North Country” eine besondere Rolle spielte, von Anfang an, diverse Soundtracks, deren Klänge ich mich Küsten und Meer und Leuchttürmen verband. Ganz besonders wichtig war ein bestimmter Roman: Tabitha Kings „Caretakers” (der deutsche Titel lautete „Die Seelenwächter”) besitze ich seit meiner Schulzeit (leider sind ihre Romane, zumindest die deutschen Ausgaben, in der Zwischenzeit alle vergriffen ­ keine Ahnung, warum das so ist; jedenfalls ist das sehr schade). Es war mir von Anfang an klar, dass dieser Roman eine besondere Rolle spielen würde (zumindest für Jacks Mutter, die eine alte Taschenbuchausgabe besitzt, die völlig zerlesen daherkommt). Tja, und aus all diesen Puzzleteilen entsteht dann irgendwann der Antrieb, sich vor die Tastatur zu setzen und loszulegen. „5 Tage im April” zu schreiben hat unglaublichen Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil es mir erlaubt war, mit Jacks Stimme zu erzählen. Jack war mir sofort ganz nah ­ und die erste Szene, die ich schrieb, war die Begegnung mit Nellie Delacroix im „Reach”.

Es kommt einem so vor, als gebe es Seals Head Harbor wirklich!

Karte:Maine Seals Head ist eine erfundener Ort. Es gibt bestimmt Ortschaften wie Seals Head, überall „da oben” an der Küste. Das Schöne am Schreiben war, dass ich von Anfang an das Gefühl hatte, schon einmal dort gewesen zu sein. über Seals Head zu schreiben war, wie nach Hause zurück zu kehren. Der Point, Old Hill, Nellie`s Reach, das alles war irgendwie schon immer dagewesen.

Womit können wir demnächst rechnen?

Ich habe gerade die erste Fassung einer Novelle beendet, die Anfang des nächsten Jahres erscheinen wird. Daneben überarbeite ich ein Geschichte für Kinder und schreibe handschriftlich in schwarzen Notizbüchern an einer Geschichte, von der ich noch nicht genau weiß, wohin sie mich führen wird. Ein neues großes Jugendbuch ist dann ebenso geplant wie ein langer, dicker Roman, über dessen Inhalt ich noch nichts sagen darf. Am schönsten sind jedenfalls die Zeiten, in denen die Deadlines noch in der Ferne liegen und man einfach nur schreiben kann. So eine Zeit ist gerade. Dessen eingedenk fühle ich mich wunderbar. Was kann man sich mehr wünschen.