Gruseln macht eben Spaß

Woher kam die Idee zu GESPENSTERFENSTER?

Als Kind war ich fasziniert von Grusel-Comics und den Schwarzweißfilmen des alten Hollywood. Sie wissen schon, diese wunderbar nebelhaften Filme, die damals am späten Abend im ZDF oder der ARD liefen. Filme von Jack Arnold, Klassiker des Horror-Films wie DRACULA und FRANKENSTEIN. Es gab Comics wie GESPENSTER. Später dann entdeckte ich die amerikanischen E.C. Comics. Ich liebe Stephen Kings CREEPSHOW. Nun ja, um eine lange Geschichte kurz zu machen. Meine Kinder verlangten nach einer Gruselgeschichte – und so habe ich mich hingesetzt und eine geschrieben.

Woher nehmen Sie die Einfälle?

Von überall her. Jonah ist der Sohn von Freunden, den Namen habe ich mir geborgt (und es gefällt ihm, dass ich das getan habe). Jonah, wenn er auf der Treppe des alten Hauses sitzt und Comics liest, das bin ich. Na ja, eine sehr junge Version. Ich durfte nicht immer aufbleiben, um die gruseligen Filme zu sehen (erwähnte ich vorhin auch die Edgar Wallace-Filme?), daher kam es nicht selten vor, dass ich mir die Geschichten erzählen ließ. Zumindest an eine Sache erinnere ich mich noch sehr genau. Ich durfte FRANKENSTEIN (den Klassiker von James Whale) nicht sehen, weil irgendeine schreckliche Klassenarbeit am nächsten Tag anstand (vermutlich Mathematik). Am nächsten Tag hat mir einer meiner Freunde, die mehr Glück gehabt hatten, die ganze Geschichte dann erzählt. Sehr spannend und gruselig.

Daher die Szene auf der Treppe?

Und die Sache mit den Rechenaufgaben, die macht auch Jonah zu schaffen.

Mia und Jonah erzählen sich Geschichten. Sie mögen Bücher?

Oh ja, das tun sie. Wir haben uns früher oft gemeinsam Gruselhörspiele angehört. Die Klassiker von Europa. DRACULA. DER WERWOLF KOMMT BEI NACHT. Und DIE NACHT DER RIESENRATTE, ist das nicht ein Wahnsinnstitel?!

Sie mögen diesen Grusel also noch immer?

Davon kommt man nie so richtig los.

Auch in MEMORY – STADT DER TRÄUME schreiben Sie über Geister? Was fasziniert Sie so an diesem Thema?

Geister sind in MEMORY die Träume, die die Toten vom Leben haben. In GESPENSTERFENSTER wollte ich beim klassischen Bild des Monsters bleiben. Deshalb der Vampir, der Werwolf, der verrückte Wissenschaftler, das Ding aus dem Sumpf und die Mumie.

Nicht zu vergessen die künstliche Frau.

Die musste rein. Logisch.

Wegen FRANKENSTEIN.

WEGEN FRANKENSTEINS BRAUT. Toller Film.

Haben die Namen der Kreaturen etwas mit den alten Filmen zu tun?

Jeder einzelne. Oliver Read hat den Werwolf in DER FLUCH VON SINIESTRO gespielt. Bela Lugosi war DRACULA. Boris Karloff spielte in DIE MUMIE. Elsa Lancaster war die künstliche Frau in FRANKENSTEINS BRAUT. Und das Ding ist meine Version vom SCHRECKEN VOM AMAZONES. Victor, der Wissenschaftler ist, na klar, Victor Frankenstein entlehnt. Und das Etwas … hm, haben wir nicht alle Angst vor dem, was wir nicht sehen, nicht kennen, nicht verstehen und nur erahnen.

Nach HELENA UND DIE RATTEN IN DEN SCHATTEN ist dies die zweite Zusammenarbeit mit Monica Parciak. Wie arbeiten Sie zusammen?

Ich schreibe die Geschichte und dann zeichnet Frau Parciak. Ich gebe ihr so gut wie keine Vorgaben. Im Fall der Monster habe ich natürlich die alten Gruselfilme erwähnt, aber das war auch schon alles. Alles andere hat Monika Parciak selbst erschaffen. Inklusive der Kiste mit dem Etwas, die in einem dunklen Kellerloch steht, in das man nicht hineinsehen kann. Klasse, ich liebe dieses Bild. Schauderhaft, wie die Illustration in einem Kinderbuch, aus dem mir meine Eltern vorgelesen habe, als ich ganz klein war.

Welches Bild meinen Sie?

Eine Bleistiftzeichnung. Eigentlich nur ein schwarzer Fleck mitten im Text einer Kasperle- Geschichte. Der Titel der Zeichnung war "Die rabenschwarze Nacht". Noch heute gruselt es mich, wenn ich daran denke.

Ist Jonah mutig?

Alle Kinder sind mutig. Wenn sie es nicht wären, könnten sie es gar nicht in unserer Welt aushalten. Aber, um die Frage zu beantworten: Jonah ist mutig. Er ist mutig, weil er so ist, wie er ist. Er verstellt sich nicht und er sieht den Dingen ins Auge. Sogar dem Etwas in der Kiste.

Das Ende der Geschichte lässt darauf hoffen, dass wir doch noch erfahren, was es mit dem Etwas auf sich hat.

Da wäre ich mir nicht so sicher …

Und ihre nächste Geschichte?

Ist erst einmal keine Gruselgeschichte. Was es ist, bleibt noch geheim. Wobei, wenn ich es recht bedenke, ist ein wenig Grusel dann doch dabei. Wie gesagt, es ist schwer, davon loszukommen. Gruseln macht eben Spaß.