Christoph Marzi
Piper und das Rätsel der letzten Uhr
Pipers langweiligster Sommer aller Zeiten wird zu einer aufregenden Abenteuerreise in ein Land, in dem es nicht nur sprechende Tiere und gefährliche Piraten gibt, sondern noch dazu ein unheimlicher Herrscher sein Unwesen treibt. Auf ihrer Suche nach einem Weg zurück muss Piper die Grenzen ihres Mutes und ihrer Fantasie überwinden, um sich und die anderen Bewohner von Septemberland zu retten.

»Pipers Charakter begeistert und durch ihre lebenslustige Art erobert sie ganz schnell die Leserherzen.«
Literatwo

Christoph Marzi
Piper und das Rätsel der letzten Uhr
ISBN 978-3-401-06863-3 | 12,99 € [D]
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Fragen an Christoph Marzi

Worum geht es in »Piper und das Rätsel der letzten Uhr«?

Es geht, zumindest am Anfang, um die Langeweile. Piper Hepworth ist ein Mädchen, das einige Zeit bei seinem Onkel verbringen muss. In einem langweiligen Dorf mitten im Dartmoor. Doch Langeweile kann gefährlich sein. Sie kann einen an Orte verschlagen, die man so schnell nicht wieder verlassen kann. Wie nach Septemberland, wo es allerlei sprechende Tiere zu treffen und andere Abenteuer zu bestehen gilt.

Septemberland klingt, als sei der Herbst Ihre liebste Jahreszeit?

Ich mag den Herbst. »Memory. Stadt der Träume« war ebenfalls eine Herbstgeschichte (und der Erwachsenenroman, den ich gerade für Heyne schreibe, ist das auch). Der Herbst ist voller Magie; sie lebt in den Farben und den Gerüchen, das Licht ist einzigartig und alles sieht so aus, als würden Geheimnisse in den Schatten lauern. Ich mag Halloween und Sankt Martin, heißen Tee und Laub, Kürbisse und den Geruch nach feuchter Erde (und Mandarinen).

Im Septemberland gibt es sprechende Tiere, die sehr klassisch englisch wirken.

Tiere, wie sie die Geschichten von A.A. Milne und C.S. Lewis bevölkern. Ja, genauso sollte es sein. Ist es nicht das, was wir uns als Kinder gewünscht haben? Mit den Tieren reden zu können (nun ja, ich habe es mir gewünscht, irgendwie – lange Diskussionen mit Eichhörnchen im Herbst).

Was war der Ursprung der Geschichte?

Die häufigste Frage, die einem Autor gestellt wird, ist wohl diese: »Woher hatten Sie die Idee zu dieser Geschichte?«. Die Antwort ist zumeist ein wenig unbefriedigend. Die ehrliche Antwort lautet: »Ich habe sie mir ausgedacht«. Konkret heißt das: am Anfang gab es ein Musikstück mit dem Titel »Fräulein im Walde« von Anna Depenbusch. Dann war da der Wunsch, meinen Töchtern eine Geschichte zu erzählen, die so ähnlich ist wie »Winnie the Pooh« von A.A. Milne. Als Kind mochte ich englische Tierdokumentationen, »Tarka der Otter« und »Keine Gnade für den Fuchs« (im Original: »The Belstone Fox») waren nur zwei davon. Ebenfalls habe ich viele klassische Kinderbücher wie die Narnia-Bücher von C.S. Lewis gelesen, dazu Autoren wie John Masefield, James Thurber und Richard Adams. Bleiben noch klassische Abenteuerbücher von Robert Louis Stevenson, Enid Blyton, Daphne du Maurier (und vielleicht einige Filme von Jack Arnold). All das brachte mich nach Septemberland, gemeinsam mit Piper Hepworth, der so langweilig ist, dass sie sich nichts sehnlicher als Abenteuer wünscht (ohne zu wissen, auf was sie sich da einlässt).

Was Piper erlebt, ist etwas gruselig. »Helena und die Ratten in den Schatten« spielt ebenfalls mit dem Nervenkitzel, »Gespensterfenster« auch. Glauben Sie, dass Kinder sich gerne gruseln?

Ja, davon bin ich überzeugt. Ein angenehmes Schaudern ist spannend und geheimnisvoll. Wichtig ist, dass die Phantasie nicht zu kurz kommt. Ich mag, auch heute noch, sehr altmodische Kinderfilme, die mit wenigen Effekten auskommen. Oftmals reichen Schatten aus, knorrige Bäume, knarrende Türen, die klassischen Gruselelemente eben. Abenteuer zu erleben ist wichtig für Kinder. Nur so können sie die Welt um sich herum bewusst erleben. Natürlich sollte man aufpassen, dass diese Abenteuer keine tatsächlichen Gefahren bergen (und diese Gefahr ist, erlebt man das Abenteuer in einer Geschichte, natürlich nicht vorhanden). Alle meine Kinderbücher habe ich für meine Töchter geschrieben. Die sich, wie die Widmung schon sagt, recht gerne gruseln, meistens zu zweit. Allerdings muss die Geschichte gut ausgehen, das ist überhaupt das allerwichtigste.

Kühe sind sehr gruselig in ihrer Geschichte.

Kühe sehen so aus, als würden sie allzeit etwas aushecken. Ich würde ihnen nicht trauen. Ja, Kühe sind geheimnisvoll und gruselig. Piper weiß das (wenn Sie mir nicht glauben, dann bleiben Sie an einer Weide stehen und dann schauen Sie den Kühen in die Augen).

War von Anfang an geplant, die Geschichte zu illustrieren?

Ich habe mir von Anfang an gewünscht, dass es vielleicht Illustrationen im Innenteil geben wird. Dass sie dann wirklich entstanden sind, ist natürlich wunderbar. Und Kristina Andres hat die Atmosphäre der Geschichte wirklich einzigartig eingefangen (vor allem Piper und Belstone haben es mir angetan).

Als Bonusmaterial gibt es hier ein Gedicht. Was hat es damit auf sich?

Das Gedicht »Der wilde Rasen« ist schon ein paar Jahre alt. Es geht darum, ein Abenteuer zu bestehen. In diesem Fall in dem Rasen hinter dem Haus, der mangels dauerhafter Pflege zu einer Wildnis geworden ist, in der sich allerlei Seltsames ereignet. Wieder ein Gedicht, das ich für meine Töchter geschrieben habe (und das jetzt hier auftaucht, ganz spontan).

Gibt es noch weitere Kindergeschichten, die Sie bisher noch nicht veröffentlicht haben?

Es gibt eine Geschichte über eine Prinzessin, die sehr, sehr, sehr verwöhnt ist und der etwas wirklich, wirklich, wirklich Gruseliges passiert (aber auch hier geht die Geschichte gut aus). Der Text ist fertig und etwa so umfangreich wie »Helena und die Ratten in den Schatten«. Darüber hinaus existieren noch einige sehr kurze Geschichten, die ich im Lauf der letzten Jahre für meine Töchter geschrieben habe. Konkrete Pläne für eine Veröffentlichung gibt es aber noch nicht.

Eine letzte Frage: Woran arbeiten Sie gerade?

Ich werde, das ist der Plan, das Manuskript meines neuen Jugendbuches im April beenden. Über den Inhalt schweige ich mich noch aus. Nur soviel: der Arbeitstitel lautet »Maine« (und es geht um einen Ort, der ganz in der Nähe von Mount Desert Island liegt).